Mehr Livemusik für alle « Ratakresch

Mehr Livemusik für alle

Es gibt für eine Band kaum etwas, was mehr Spaß macht als live aufzutreten. Es ist die Belohnung für alle Mühen, die man im Vorfeld auf sich nimmt. Lieder und Melodien werden geschrieben und Songs arrangiert, das Material musikalisch beherrscht und Auftritte organisiert. Dabei ist es aber nicht nur für die Band etwas besonderes die Musik live zu präsentieren, sondern auch für das Publikum. Das Erlebnis eines Livekonzerts ist nicht „raubkopierbar“ und hat neben der eigentlichen Musik seinen ganz eigenen Wert. Es lebt von der Spontanität, der Dynamik – und selbst von kleinen Fehlern.

Es ist ein musikalisches Gemeinschaftserlebnis. Wer beim Konzert einer großen Band schon einmal neben hunderten und tausenden Gleichgesinnter gestanden hat, und wem bei den ersten Klängen des Intros ein Schauer über den Rücken gelaufen ist, der kennt dieses Gefühl. Kein Kopfhörer der Welt kann etwas Vergleichbares erzeugen. Selbst die Musikindustrie hat das erkannt und verdient ihr Geld heutzutage fast ausschließlich über Konzerteinnahmen.

Einzig das deutsche Fernsehen weigert sich diesem Trend zum Live-Erlebnis zu folgen. Deutsche Fernsehsendungen, in der Bands tatsächlich live spielen, beschränken sich auf eine handvoll Ausnahmen. Vereinzelt gibt es zwar Auftritte, die sich nicht mit Vollplayback begnügen, die Musik spielt dort aber häufig nur eine Nebenrolle.

Eine reine Musiksendung sucht man im deutschen Fernsehen vergebens. Dabei macht es der englische Sender BBC schon seit Oktober 1992 vor. Der Moderator Jools Holland präsentiert in seiner Sendung „Later with Jools“ regelmäßig sowohl etablierte Musiker als auch Newcomer, sowohl Solokünstler als auch Bands. Hier spielen Metallica neben Björk und Muse neben The Who. Eine ganze Stunde nur echte Musik von tatsächlich spielenden Musikern. Fantastisch.

Bon Iver mit „Skinny Love“ bei Later with Jools

Ab und an kommt es auch zu einer Jamsession zwischen den Größen des Musikgeschäfts und es kann passieren, dass Ronnie Wood zusammen mit Slash ein minutenlanges Blues-Solo nudelt (inklusive Flitzer ab 3:28!).

Adele mit „Rolling in the Deep“ bei Later with Jools

„Later with Jools“ kann man sich derzeit nur auf dem digitalen Sender ZDF.Kultur anschauen, dafür aber täglich um 19 Uhr.

Kings of Leon mit „Radioactive“ bei Later with Jools

Auch unsere französischen Nachbarn haben vor etwa fünf Jahren eine ähnliche Variante einer reinen Musiksendung ins Leben gerufen. „One Shot Not“ ist eine von Manu Katché moderierte wöchentliche Sendung, in der kurze Konzerte, Jamsessions und Interviews gezeigt werden. Kasabian, Sting und The Black Keys waren dort schon zu Gast. Die Sendung wird Sonntagabends auf Arte ausgestrahlt.

Kasabian mit „Where Did All The Love Go“ bei One Shot Not

Es muss nicht immer ein komplettes Konzert sein, um tolle musikalische Momente zu produzieren. Livemusik ist immer unterhaltsam.Die Briten und die Franzosen haben erkannt, dass die enorme Vielfalt der Bands, die verschiedenen Stilrichtungen und die eigene Spielweise der Musiker den Reiz der Musiksendungen ausmachen.

Ach wäre das schön, wenn wir so was auch in Deutschland hätten. Wir würden doch glatt hingehen. Na ja… läuft The Dome eigentlich noch?

Tags:


Ein Kommentar zu “Mehr Livemusik für alle”

  1. Björn sagt:

    …Ach ja…. Aus der Seele, direkt an die virtuelle Pinnwand!!! Wie recht er doch hat!